Auf keinem Schreibtisch und in keinem Haushalt fehlt eine Rolle Klebefilm. Meist kommt der aus Hamburg vom Erfinder und Hersteller „Tesa“ und hat eine lange Geschichte.

Kennen Sie eigentlich Elsa Tesmer? Kaum jemand wird mit diesem Namen etwas anfangen könne, obwohl sie die Namensgeberin für den bekanntesten Klebefilm in Deutschland ist: Tesafilm. Den kennen immerhin 98 Prozent aller Deutschen. Der Klebefilm wurde ursprünglich vom Hamburger Apotheker Paul Carl Beiersdorf als Wundpflaster entwickelt und 1882 zum Patent angemeldet – was zugleich als Beginn des Unternehmens gilt, das als „Fabrik für dermotherapeutische Präparate“ geründet wurde.
Nur acht Jahre später, 1890, kaufte der Pharmazeut Dr. Oscar Troplowitz Firma und Labor des Unternehmensgründers und damit auch das Patent für das Wundpflaster. Das Problem war nur, dass das Pflaster zwar sehr gut klebte, aber dafür die Haut reizte und deswegen für die Wundversorgung eher ungeeignet war. Troplowitz glaubte aber an das Produkt und brachte es 1896 als weltweit erstes technisches Klebeband zum Flicken von Fahrradschläuchen auf den Markt. Sein Name: Cito-Sportheftpflaster.
Zehn Jahre danach bekam die Schreibstube der Firma Beiersdorf den Auftrag, Namen für Produkte zu finden. Elsa Tesmer (1887–1968), die von 1904 bis 1908 dort als Leiterin der Schreibstube arbeitete, beteiligte sich und nahm die beiden letzten Buchstaben ihres Vornamens, die beiden ersten des Nachnamens und vertauschte sie zum Produktnamen „Tesa“. Ihr Vorschlag fand jedoch nicht sofort Beachtung und verschwand zunächst mal im Archiv des Unternehmens. Das Cito-Sportheftpflaster wurde aber in der Folgezeit ständig weiter entwickelt, was 1935 in dem bereits transparenten „Beiersdorf-Kautschuk-Klebefilm“ mündete.
Im Jahr 1934 erhielt der bei Beiersdorf beschäftigte Industriekaufmann Hugo Kirchberg die Aufgabe, das Klebebandgeschäft von Beiersdorf voran zu treiben. Er sah die vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten des transparenten Klebefilms im Haushalt, im Büro und in der Industrie. Bei der Suche nach einem griffigen Namen fiel seine Wahl auf den seinerzeit von Elsa Tesmer vorgeschlagenen und für die Firma geschützten Namen „Tesa“. Zunächst als Tesa-Klebefilm und erst später als Tesafilm vermarktet, wollte sich trotz des einprägsamen Namens kein rechter Verkaufserfolg einstellen. Erst als Kirchberg zum Klebefilm den Abroller erfand, mit dem der Klebefilm abgerollt, abgetrennt und auch aufbewahrt werden konnte, änderte sich dies, und der Tesafilm begann seinen Siegeszug über die Schreibtische des Landes, wo bis heute Tesa-Abroller zur Grundausstattung gehören.
Heute bietet die Beiersdorf-Tochter „Tesa SE“ über 7.000 Produkte für die Industrie und 300 Produkte für Büro, Haushalt, Heimwerker und Garten an. Aus dem Labor des Apothekers Paul Beiersdorf ist ein international aufgestelltes Unternehmen mit Forschungslaboratorien in Deutschland, den USA und China geworden. Dort entwickeln rund 350 Forscher jedes Jahr etwa 70 neue Produkte, die zum Patent angemeldet werden. Die oft hoch spezialisierten Produkte werden überwiegend in der Industrie verarbeitet. So stellt Tesa beispielsweise den mit nur 5 Mikrometern (1 Mikrometer [μm] entspricht 1/1000 mm) dünnsten Klebefilm der Welt her. Auch die Membrane vieler Handylautsprecher stammen aus der Produktion des Hamburger Unternehmens.
Gegenwärtig schlägt die „Tesa SE“ wieder eine Brücke zu ihren Wurzeln Ende des 19. Jahrhunderts: Die junge Unternehmenstochter „Tesa Labtec“ entwickelt seit 2011 wieder Pflaster. Jetzt jedoch hochmoderne Wirkstoffpflaster und schnell lösliche orale Filme, die die Medikamenteneinnahme künftig erleichtern und komfortabler machen können.